Die Kolumne: Zeit ist nicht Geld

Zeit wird in unserer Gesellschaft stark ökonomisiert. „Zeit ist Geld“ ist ein bekanntes Motto. Viele Menschen haben Angst, Zeit zu verlieren, wollen Zeit gewinnen oder auch Zeit sparen. Viele fühlen sich unter Zeitdruck oder haben das Bedürfnis, die Zeit „endlich in den Griff zu kriegen“.

Doch die Zeit bleibt immer gleich. Wir können sie nur unterschiedlich nutzen und gestalten.

Die Entwicklung der Informationstechnologie in den vergangenen 20 Jahren und die Globalisierung haben unsere Zeitwahrnehmung und unser Zeitverhalten verändert. Wir können Tag und Nacht im Internet recherchieren und kommunizieren, wir können ständig erreichbar sein – die Zeit scheint sich ins Unendliche ausdehnen zu lassen.

Gleichzeitig bewältigen wir heute in der gleichen Arbeitszeit mehr und unterschiedlichere Aufgaben als früher  – Zeit scheint sich also auch füllen und verdichten zu lassen.

Diese beiden Entwicklungen stressen inzwischen viele Menschen. Die permanente Ökonomisierung und „Vernützlichung“ unserer Lebens- und Arbeitskraft macht krank und kränkt.

Für ein gutes Leben und eine sinnvolle Arbeitsgestaltung müssen wir die Endlichkeit der Zeit anerkennen und die Zyklen, die sie uns vorgibt. Für dauernde Erreichbarkeit, hohe Verdichtung sind wir nicht geschaffen, weder physisch noch psychisch.

Es gibt viele Rhythmen, von denen wir abhängig sind. Und aus denen wir schöpfen sollten: unseren biologischen Rhythmus, den Rhythmus von Entwicklungsschritten, den Rhythmus der Jahreszeiten, den Rhythmus einer Woche, eines Tagesablaufs usw.

Stärkend ist es, das eigene Zeitverhalten zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern. Fühle ich mich wie ein Untertan, der Zeit ohnmächtig ausgeliefert, von ihr fremdbestimmt?  Oder bin ich meine eigene „Zeitchefin“, die selbst entscheidet und bestimmt?

Eine bewusste Rhythmisierung unseres Lebens hilft uns darin, souverän mit unserer Zeit umzugehen, so z.B. die Entscheidung für bewusste Tagesanfänge, Enden, Pausen, Essenszeiten, Übergangszeiten, Erholungszeiten – und „unnützlichen“ Frei-Zeiten.

Zeitprobleme sind immer auch Prioritätenprobleme. Souverän mit Zeit umgehen heißt auch, herausfinden, was wirklich zählt, was wirklich wichtig ist, sowohl im beruflichen wie  im privaten Leben. Und: Zeit ist nicht Geld.